Ich will geliebt werden – aber nicht um jeden Preis.
- Thomas Laggner
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 9 Stunden
Ein Erfahrungsbericht über toxische Beziehungsmuster, Selbstwert und den Weg zurück zu sich selbst.
„Ich wusste irgendwann nicht mehr, wer ich war. Ich war nur noch jemand, der versucht, geliebt zu werden. Und dabei habe ich mich selbst verloren.“
So beschreibt eine junge Frau Mitte Zwanzig ihre Beziehungserfahrung mit einem Partner, der sie immer wieder mit Worten kränkte, sich bei Konflikten entzogen und sie gleichzeitig nicht loslassen wollte. Es ist die Geschichte vieler – vor allem junger – Frauen, die in einer Mischung aus Sehnsucht, emotionaler Abhängigkeit und Hoffnung gefangen sind.
Liebe oder emotionale Abhängigkeit?
„Ich habe ihm tausend Chancen gegeben. Ich dachte, wenn ich nur genug Liebe investiere, wird es besser. Aber jedes Mal, wenn ich versuchte, für mich einzustehen, war ich plötzlich die ‚Schwierige‘ – die Zicke, die Hysterische, die Egoistin.“
Wie viele Menschen lernen in ihrer Kindheit, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist? Dass man sich anpassen, still sein, die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen muss? Für Lena (Name geändert) begann dieser Kreislauf schon früh. Ein alkoholkranker Vater, eine angepasste Mutter, eine Kindheit, in der sie eher die Erwachsenenrolle übernahm, als selbst Kind sein zu dürfen.
Das innere Kind will Sicherheit, kein Drama
„Im Streit wurde er wie ein Kind – schrie, warf mit Worten um sich, lief weg. Und ich? Ich fühlte mich wie seine Mutter. Ich wollte ihn beruhigen, retten, verstehen. Aber ich war nicht seine Mutter. Ich war seine Partnerin.“
Die Dynamik ist bekannt: Ein Mensch mit Schwierigkeiten in der Affektregulation trifft auf einen empathischen Menschen mit Helfersyndrom. Was am Anfang als leidenschaftliche Liebe beginnt, kippt oft in ein toxisches Wechselspiel. Kränkungen, Versöhnung, Hoffnung – und wieder von vorn.
Lena erkannte irgendwann: Nicht alles, was sich wie Liebe anfühlt, ist auch gesund.
Zwischen Co-Abhängigkeit und Erwachen
Nach einem besonders heftigen Streit – inklusive Beleidigungen und einem dramatischen Brief mit Rosen – begann sie, ihre Muster zu hinterfragen. „Früher hätte ich das als Beweis seiner Liebe gesehen. Jetzt sehe ich, dass ich lange Zeit verwechselt habe: Bedürftigkeit mit Nähe.“
Sie begann, sich selbst besser kennenzulernen. Reflektierte mit Therapeut*innen über ihre Prägungen, ihre Ängste, ihre Bedürfnisse. Lernte, dass Liebe ohne Respekt keine Liebe ist. Und dass Selbstfürsorge kein Egoismus ist, sondern ein Akt von Selbstachtung.
„Ich arbeite noch an mir – aber ich bin nicht mehr dieselbe.“
Lena entschied sich schließlich, die Beziehung nicht sofort zu beenden, sondern ein neues Kapitel zu beginnen: getrennt wohnen, klare Regeln, und – vor allem – Raum für sich selbst. Sie verfasst heute regelmäßig Reflexionseinträge, spricht mit ihrem „inneren Kind“, übt Nein-Sagen und übt sich in Geduld – mit sich selbst.
„Ich habe aufgehört zu hoffen, dass er sich ändert. Stattdessen frage ich mich: Was brauche ich, um gesund und erfüllt leben zu können?“
Was wir von Lena lernen können:
Liebe ist kein Schmerzmittel. Sie soll uns nicht retten, sondern bereichern.
Grenzen setzen ist Selbstfürsorge. Auch wenn es anderen nicht gefällt.
Kindheitsmuster dürfen überprüft und verändert werden.
Wir sind nicht verantwortlich für das emotionale Verhalten anderer.
Nur ein starkes Ich kann ein starkes Wir zulassen.
✨ Wenn du dich in Lenas Geschichte wiedererkennst, denk daran: Du bist nicht allein. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – es ist ein mutiger Schritt zurück zu dir selbst.