Wenn die Seele still leidet – Depression nach hormoneller Behandlung
- Thomas Laggner
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Ein Erfahrungsbericht über das Zusammenspiel von Körper, Psyche und Lebenssinn
Frau D., eine lebenslustige, engagierte Frau im Ruhestand, wollte eigentlich nur etwas für ihre Gesundheit tun. Nach einer Osteoporose-Diagnose erhielt sie eine moderne hormonelle Spritzentherapie. Was zunächst vielversprechend klang, wurde zum Auslöser eines tiefen persönlichen Leidenswegs.

Kurz nach Beginn der Behandlung entwickelte sie Symptome einer Depression: Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, innere Unruhe und der Verlust von Lebensfreude. Körperliche Beschwerden wie Kribbeln in den Beinen, Muskelschwäche und Appetitlosigkeit verstärkten das Gefühl, „nicht mehr man selbst zu sein“. Ärztliche Hilfe war schwer zu finden, Termine bei Fachärzten lagen Monate entfernt. So suchte sie sich selbst Hilfe – und stieß auf ein multimodales Konzept aus Psychotherapie, Ernährung, Bewegung und Psychoedukation.
Besonders bewegend ist ihr Wunsch, weiterhin mit ihren Geschwistern Etappen des Jakobswegs zu gehen – ein Herzensprojekt, das für Sinn, Gemeinschaft und Hoffnung steht. Doch selbst dieses Ziel erscheint ihr in der Krise gefährdet.
Ihr Fall zeigt eindrücklich, wie eng Körper und Psyche zusammenwirken – und wie wichtig es ist, Menschen mit chronischen Beschwerden nicht nur medizinisch, sondern auch seelisch zu begleiten. Es braucht Geduld, Wissen, therapeutische Begleitung – und manchmal einfach ein Ohr, das zuhört.
🧩 Zentrale Dialoge für Ausbildungszwecke (Mikroprozesse)
1. Entstehung und Verlauf der Depression
„Ich habe dann eine Depression entwickelt. […] Ich konnte dann nicht schlafen, extreme Unruhezustände.“—> Deutlich wird die Verkettung somatischer und psychischer Prozesse, typisch für eine somatogene Depression.
2. Psychosomatische Erklärung durch den Therapeuten
„Jeder Gedanke wirkt unmittelbar mit dem Organismus zusammen.“—> Psychoedukation, achtsamkeitsbasierte Intervention und kognitive Rahmung.
3. Klientenzentrierte Bestärkung der Selbstwirksamkeit
„Sie kommen in eine gewisse Art der Selbstbestimmung.“—> Förderung von Autonomie und innerer Kontrolle in der Therapie.
4. Hoffnung und therapeutischer Ausblick
„Zwei Fehler kann man machen: nicht beginnen oder zu früh aufhören.“—> Ein prägnantes Beispiel für ressourcenorientierte Reframing-Technik.
5. Umgang mit Medikamenten und Nebenwirkungen
„Eigentlich will ich es nicht nehmen. Ich versuche es hinauszuzögern.“—> Ausdruck ambivalenter Haltung zur medikamentösen Behandlung – Thema für motivationales Interviewing.
Fokus-Keyword
Depression nach Hormonbehandlung