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Zwischen Rauchschwaden und Realitätsverlust – Wenn die Seele Alarm schlägt

Daniel ist 30 Jahre alt, arbeitet körperlich schwer, hat Humor – und erlebt dennoch etwas, das ihn zutiefst verunsichert: Gedächtnislücken über zwei volle Tage, Panikattacken in öffentlichen Verkehrsmitteln, innere Unruhe und Schlaflosigkeit. Alles begann schleichend, verstärkte sich aber in den letzten Wochen. Was ist da los?


💬 Der Fall in Kürze

Daniel konsumiert seit dem 14. Lebensjahr regelmäßig Cannabis und hat in der Vergangenheit auch andere Substanzen ausprobiert. In letzter Zeit wird er von starken emotionalen Schwankungen und kognitiven Aussetzern geplagt. Er beschreibt ein „Verschwimmen der Realität“, Unruhe, Müdigkeit und das Gefühl, „nicht mehr zu wissen, was passiert ist“.

Die Beziehung zu seiner aktuellen Partnerin ist liebevoll, aber auch belastend: Sie ist aktuell stationär in psychiatrischer Behandlung. Daniel selbst hat eine konfliktreiche Beziehung zur Ex-Freundin hinter sich und teilt sich mit ihr die Sorge für ein gemeinsames Kind.


🧭 Was bedeutet das für die Beratung?

Für Lebens- und Sozialberater*innen ist dieser Fall ein Beispiel für eine Grenze zur Psychotherapie – aber auch eine Chance, unterstützend zu wirken.


Was gehört in die Beratung?

  • Begleitung in Alltagsthemen: Schulden, Arbeitsstruktur, Rollenklärung in Beziehungen

  • Ressourcenarbeit: Selbstfürsorge, Stabilisierung, Freizeitgestaltung

  • Psychoedukation: Nervensystem, Hochsensibilität, emotionale Selbstregulation

  • Förderung von Selbstbeobachtung und Selbstverantwortung

Was gehört in die Psychotherapie?

  • Dissoziative Zustände („Blackouts“)

  • Panikattacken mit Realitätsverlust

  • Traumaaufarbeitung und mögliche Suchtbehandlung

  • Langfristige Persönlichkeitsdynamiken


🧘 Hochsensibilität & emotionale Überschwemmung

Daniel beschreibt, dass ihn vieles belastet, ohne dass er genau benennen kann, was es ist. Das ist typisch für hochsensible Menschen, die Reize intensiv verarbeiten und oft in sich „alles hineinnehmen“. In der Beratung kann man diese Wahrnehmung validieren und Wege finden, damit umzugehen.


🧩 Der Einfluss von Beziehungserfahrungen

Vergangene Beziehungserfahrungen beeinflussen sein gegenwärtiges Erleben stark. Daniels Misstrauen, seine Überanpassung und Selbstzweifel sind Überbleibsel der Ex-Beziehung. In der Beratung können Muster erkannt und durch neue Erfahrungen ersetzt werden.


⚠️ Abklärung vor Intervention

In Fällen wie diesem ist eine medizinische Abklärung zwingend notwendig, bevor eine beratende oder therapeutische Arbeit beginnt. Das wurde auch im Gespräch empfohlen (Blutbild, neurologische Diagnostik).


🎓 Fazit für die Ausbildung

Dieser Fall zeigt, wie komplex der Übergang zwischen Beratung und Therapie sein kann. Lebensberaterinnen sind in der wichtigen Position, Orientierung, Stabilisierung und Struktur zu geben – aber auch, Klientinnen respektvoll weiterzuleiten, wenn psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung erforderlich ist.

Die Kunst liegt darin, zu erkennen, was im Rahmen der Beratung möglich ist – und was nicht.


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